Anna´s Marathon Debüt

 

Sarah Si über “Anna Thomé“:

Unternehmerin, Mutter, Ehefrau und nun auch Marathonläuferin

Anna ist zweifache Mutter, sie läuft in der Altersklasse W35 und führt gemeinsam mit ihrem Mann ein Familienunternehmen und eine Event Agentur (https://www.csi-training.de/ und www.escape-room-augsburg.de).

Ihr ausgefülltes Leben schreit förmlich nach Stress. Stress ist genau der Grund wieso Anna mit dem Laufen begann.

Sie selbst beschreibt sich als ein sehr naturverbundener Mensch, der nicht viel benötigt um aktiv zu sein und begann somit vor ca. 2,5 Jahren mit dem Laufen.

Zu Beginn trainierte sie noch ohne Betreuung „einfach mit den gängigen Sportapps und allen Fehlern, die man so machen kann“ – so kommuniziert sie es selbst. „Zu viel, zu schnell ohne Stabilitätstraining usw. Das rächte sich relativ schnell, da mein Lebensstil kombiniert mit dieser Art von sportlicher Belastung keine Fehler lange verzeiht.“

 

Anna´s Rennbericht:

Das Marathontraining

Nach knapp 2,5 Jahren Lauftraining startete ich also in meinen ersten Marathon. Da ich gerne mit Profis arbeite, nahm ich mir Lauftrainerin Sarah Si zur Hilfe. Sie schrieb mir Trainingspläne, feilte mit mir an meinem Laufstil, gab mir wichtige Infos zur Laufsportspezifischen Ernährung, unterstützte mich mental und musst mir zu Beginn öfters motivierend zusprechen.

Auch habe ich viel gelesen, Youtube Videos geschaut und Hörbücher gehört. Somit habe ich im Bereich Marathon alle Profi Tipps befolgt, die es zu finden gab.

 

Haspa Hamburg Marathon

Warum der Hamburg Marathon? Weil mir viele Marathonis dazu rieten, ein Groß-Event für den Ersten zu wählen, damit die Motivation während der 42,195 km erhalten bliebe. Und weil meine Schwiegereltern in Hamburg wohnen.

 

Am 29. April 2018 war es dann endlich soweit, der Tag der Tage war gekommen.

Der Lauftag an sich war ein reiner Adrenalin und Endorphinpush. Schon die Stimmung im Startblock war einfach schön. Ich war natürlich in einem der hintersten Startblöcke positioniert, wo die Läufer einfach das Lauferlebnis genießen.

 

Sarah hatte mir dringend dazu geraten, die Pace von 6:30 nicht zu unterschreiten und es ist verlockend für das Ego, mit Pace 6 oder 6:15 durchzurennen. Die ersten 10km vergingen gefühlt in Minuten, obwohl ich dann schon ungefähr eine Stunde unterwegs war. Bis zu Kilometer 24 war es ein reiner Rausch, danach meldete sich nach und nach der Körper. Eigentlich nichts dramatisches, nur zunehmend die Oberschenkel Muskulatur. Aber gut, einfach Schmerz akzeptieren, Pace halten und weiter. An den Getränkeständen alle zwei km habe ich mir zunehmend mehr Zeit gelassen und bin gegangen. Schwer wurde es ab Kilometer 34, denn von allen war die Kraft am Limit angekommen. Viele Teilnehmer gingen nur noch, ich zog zwar langsamer aber noch im Trabschritt weiter. Mein emotionales Tief kam bei Kilometer 36, als weder Entertainment noch Kraft vorhanden war. Meine Oberschenkel fühlten eine Last von jeweils 50 kg pro Bein und brannten wie ein Feuerofen. Weit und breit keine Musiker, keine Moderatoren, obwohl es doch so im Programmheft gestanden hatte. In mir stiegen kurz Tränen hoch und Verzweiflung, die fragt, wie soll ich das noch sechs km durchhalten. Nun hatte ich ja in meinen Langenläufen Geduld gelernt und ein anderer Teil meines Geistes sagte einfach: „Es ist ok, wenn du gehst, weil der Marathon ist nur für Dich. Du verlierst nichts und ob es 10 Minuten länger dauert, ist egal.“ Also gut, laufen wir einfach weiter.

 

Das kollektive Bewusstsein auf dem Streckenabschnitt 34 bis 40 war Erschöpfung pur. Keiner hatte groß Kraft zum rennen oder reden. Was wirklich half, waren die Kinder am Straßenrand, die uns enthusiastisch zuriefen, dass es nur noch vier km sind. Und bei Kilometer 40 kam endlich das versprochene Entertainment Programm mit Trommlern, die einem den Schmerz aus allen Gliedern trommelten. Es war unbeschreiblich, wie wandelbar die menschliche Wahrnehmung ist. Eben noch kurz vor dem Abgrund gestanden, können die Beine sich doch wieder zum Rennen bewegen und der Schmerz ist wie weggezaubert. Die letzten zwei Kilometer bin ich gerannt und gerannt. Ich hatte das 1000-mal geprobt und nun war der Moment des Sieges gekommen. Als ich über die Zielmatte kam, waren Stolz, Erleichterung, Verwunderung und unsagbar großes Glücksgefühl da.

Meine Familie war kurz vor dem Ziel im Tribünenbereich und auch schon auf vielen Streckenposten immer dabei. Ich war mega glücklich, dass ich bei diesem Lauf von Ihnen und vielen anderen emotional begleitet wurde. Als dann noch die Zielzeit unter 5:00 lag, war das Glück irgendwie perfekt. Alles wäre ok gewesen, aber besser geht es kaum.

 

Fazit

Alles in allem kann ich sagen, Marathons zu laufen ist eine Transformation für Körper, Geist und Seele. Ich habe gelernt, seismographisch genau auf die Signale des Körpers zu hören. Was ist Gejammer und was ist Gefahr. Inzwischen bin ich sehr geduldig und sehe die Dinge gern größer als wie der Moment erscheint. Auch das Thema Niederlagen und Erschöpfungen werden jetzt viel entspannter betrachtet, was nicht nur das Laufen angeht. Und was ganz besonders auffällig ist, dass ich seit zwei Jahren sehr selten krank war. Ich laufe weiter und wieder Marathon.