Mentale Stärke. Mit ihr erreicht man seine Ziele. Man ist stärker als man denkt.

Transalpine-Run, der etwas andere Bericht.

2,5 Jahre liegt nun der Finish des Transalpine-Run 2014 hinter mir. Warum ich mich so spät doch noch dazu entschieden über diese Lauferfahrung zu schreiben? Immer wieder begegnen mir in meinem Job Menschen mit (Selbst)Zweifel, sie sind sich nicht über die Ausmaße mentaler Willenskraft im Klaren und wagen sich somit nicht an ihre Möglichkeiten und Grenzen heran. Gerne teile ich meine persönliche Erfahrung mit euch und möchte euch Mut machen für eure Ziele zu kämpfen.

Viel Spaß beim lesen!

Meinen Laufpartner für den Transalpine-Run, Andy Ehler, lernte ich 2013 über das Suchportal des Veranstalters kennen. Unsere damaligen Distanzen und Geschwindigkeiten passten gut zusammen. Um wirklich sicher zu gehen ob wir uns auch unter Anstrengung verstehen und ob wir gemeinsam als Team gut kämpfen können bestritt er mit mir meinen damals ersten 100 Km Lauf. Es passte wunderbar, ich musste auf den letzten 20 Km kämpfen und er trieb mich fröhlich an. Für den Transalpine-Run beschlossen wir somit das selbige Ziel: Ziel.

Es konnte also nichts mehr schieflaufen, oder?

Wie es ja immer so ist, ist ja immer irgendwas im Leben der Läufer, in unserem Falle im Leben der Läuferin.

Meine persönliche Horrorgeschichte zum TAR14 begann im Februar 2014. Mir machten Hormone einen „schweren“ Strich durch die Rechnung. Durch einen Wechsel meines Verhütungsmittel erlitt ich „schwere“ Fressattacken. Viele Monate verstrichen bis ich dies in Zusammenhang mit den Hormonen in Zusammenhang brachte. So passierte es, dass ich über 10 Kg Körperfett, pünktlich zum TAR14, zunahm. Wer nun schon weiß, dass ich zuvor nie in den Alpen gelaufen oder gewandert bin, der kann sich vorstellen, was dort für Berge auf mich warteten.

Also fuhr ich 6 Wochen vor dem TAR14 noch ins Pitztal um etwas am Berg zu trainieren und einen ersten alpinen Test-Marathon zu absolvieren (den heutigen Pitz Alpine Glacier Trail).

Ja. Ja, ich fiel gewaltig auf die Nase. Das Pitztal gilt als eines der schwersten Trailgebiete, zwar traumhaft schön, aber sehr steil und Gletscherhoch. Nach und mit tagelangem Dauerregen (ich landete unzählige Male im downhill auf meinem Po) finishte ich. Nach 13 Stunden. Als Vorletzte.

Ich hatte großes Glück vor Ort Thomas Bosnjak (BJAK) kennen zu lernen. Er vermittelte mir die richtige Lauftechnik am Berg (schonend, vorbeugend sowie effektiv) und wies mich auf bestimmte HF%-Werte hin, welche ich nicht übersteigen sollte um möglichst alle Etappen zu überleben.

Während meines Aufenthaltes im Pitztal hatte ich große Zweifel den TAR zu überstehen, die 10 Kg „Übergepäck“ die Berge hochzutragen machten mich ordentlich müde. Auf dieses Körpergewicht war ich einfach nicht trainiert.

Mit einem kurzfristigen und bunten Strauß an Erfahrungen fand ich mich dann wenige Wochen später beim Start vom TAR14 in Ruhpolding ein.

Große Selbstzweifel standen nun meiner neugewonnen mentalen Stärke gegenüber.

Und wie wir Läufer ja wissen: Im Läuferleben ist ja immer irgendwas. 2 Dinge sollten da einfach nicht ausreichen (1. Ding: 10 Kg Übergepäck, 2. Ding Unterschätzung alpiner Berge). Es fehlte noch ein 3. Ding, das gemeinste Ding, es wollte erst vor Ort, nach der ersten Nacht zum Vorschein kommen…

Andy und ich buchten die preisgünstigen Übernachtungen im Camp, was bedeutete Isomatte und Schlafsack, gemeinsam mit hunderten anderen Läufern in Turnhallen, Schulen und ähnlichem. Da ich meine Isomatte und meinen Schlafsack kurzfristig erstanden hatten blieb keine Zeit für einen Test. Ja, blauäugig, das bin ich, so wurde ich geboren. Das 3. Ding wurde über Nacht geboren und nannte sich Allergie gegen meinen Schlafsack. Atemwegsallergie. Atemwege werden doch beim alpinem Laufen völlig überbewertet, nicht.

Von Morgen zu Morgen bekam ich immer stärker werdende Probleme mit Hals, Nase, Nebelhöhlen und Kopfbrummen. Bereits nach der ersten Nacht hatte ich Schwierigkeiten meine Kontaktlinsen einzusetzen. Meine Augäpfel fühlten sich wie geschwollen an, die Linsen passten irgendwie einfach nicht aufs Auge. Täglich konnte man mir meine Allergie gegen meinen Schlafsack mehr ansehen. Mein Körper wollte sich einfach nicht mit dem Schlafsack anfreunden.

Jeden Morgen hatte ich einen starken Kopfdruck, der bis mindestens zum ersten Gipfel anhielt. Ich fühlte mich wirklich schlecht. Ich war nicht krank, hatte kein Übertraining, keine Verletzung, quasi nichts. Außer dieser blöden Allergie.

Als wäre mein Gesicht nicht schon rund genug mit 10 Kg Gewichtszunahme, kam nun auch noch eine arge Entstellung hinzu. Mein Gesicht quoll um die Augen herum, Tränensäcke und Nasenbein am schlimmsten betroffen, stark auf. Ich versteckte mich vor allem und jedem so gut es ging. Ich mied die Öffentlichkeit und rang täglich gegen Tränen. Jeden Morgen an der Startlinie spielten sie den Song „Highway to hell“, ja ich glaube extra nur für mich.

Nach der 5. Nacht erreichte meine Allergie ihren Höhepunkt. Ich musste nun handeln, das sah ja gefährlich aus (war es aber nicht). Einer der TAR-Ärzte bestätigte mir die Allergie (Schlafsack) und gab mir somit das „go“ um meinem Finishershirt entgegen zu laufen.

Ich wandte mich umhergehend an das Team von Plan B mit der Bitte für mich in den einzelnen Etappenorten Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels oder Pensionen zu finden. Es funktionierte reibungslos.

Mal ganz abgesehen von der Allergie, was glaubt ihr wie ich mich auf ein Einzelzimmer und eine eigene Dusche gefreut habe!

Nach der ersten Nacht in einer Pension war meine Allergie stark rückläufig. Sie hatte nur noch circa das Stadium von der 2. Nacht im Schlafsack. Es war ein Segen. Nun wusste ich: Ich hole mir das Finishershirt wirklich! Zwar kratzte ich an Tag 7 noch einmal beim ersten stundenlangen Anstieg am Zeitlimit, aber es fühlte sich alles nicht mehr ganz so brutal an.

Ja, ich holte mir das Finishershirt. So bescheiden wie alles lief, schaffte ich dennoch jeden Tag innerhalb der Zeitlimite ins Ziel, meist sogar mit über 2 Stunden Zeitpuffer, dem downhill sei Dank.

Was soll ich euch nun noch sagen oder schreiben? Es ist euer Kopf, der über eure Limite entscheidet, arbeitet an eurer mentalen Stärke, denn sie macht unglaublich viel aus. Öffentliches jammern und vorab-Ausreden bringen dich jedenfalls nicht nach vorne. Stelle dich deiner Schwäche und nimm die Herausforderung an.

Ich wünsche einen erfolgreichen und glücklichen Start 2017!